Eine 1270 gepflanzte Sommerlinde
in Neuruppin
Ruppiner Land März 2003
Pater Wichmann und die Linde
Der erste Prior des 1245 gegründeten Dominikanerkloster von Neuruppin, Pater Wichmann, war schon zu Lebzeiten wegen seiner wundersamen Taten geschätzt und wurde von allen verehrt. Im wurden sogar übersinnliche Kräfte zugesprochen. So soll er auf den Weg zum gegenüberliegenden Ufer des Ruppiner Sees, immer den kürzesten Weg genommen haben, nämlich über das Wasser.Eines Tages tat es ihm sein Kirchendiener gleich und lief hinter ihm her. Pater Wichmann ließ sich zunächst nichts anmerken. Doch am anderen Ufer angekommen, ermahnte er den Kloster-Bediensteten, ihm fortan nicht mehr auf diesem Weg zu folgen. Der Pater ahnte, dass sich der Diener nach dem erfolgreichen ersten Mal nicht an seine Ermahnungen halten würde. Daher riet er ihm eindringlich, sollte er doch wieder über das Wasser gehen, sich niemals umzudrehen. Der arglose Kirchdiener jedoch mißachtete diese Anweisungen. Beim nächsten Gang über den See drehte er sich nach dem Kloster um und ertrank, ohne auch nur einen Hilferuf ausstoßen zu können.
Noch vor seinem Tod bestimmte Pater Wichmann, ihn zunächst in einem gläsernen Sarg zu betten und diesen in einen Sarg aus Silber zu legen. Zudem sollte über seinen Grab, das sich unmittelbar an der Klostermauer befindet, eine Linde gepflanzt werden. Erst nach dem Tod der Linde dürfte sein Grab geöffnet werden. Jedes Jahr in der Neujahrsnacht kommt Pater Wichmann in einer von weißen Pferden gezogenen Kutsche, um nach der Linde zu sehen. Diese gedeiht noch immer prächtig, und das schon seit 1270. Der Stam ist teilweise ausgehöhlt, und so scheint die Krone auf drei Säulen zu ruhen.